Mein Mann und ich begleiten nun seit eineinhalb Jahren B., einen minderjährigenFlüchtling aus Afghanistan. Wir habe ihn über Connecting People kennengelernt.

Wir telefonieren einmal die Woche und treffen uns etwa alle 2 Wochen, manchmal bei uns zu Hause, manchmal unternehmen wir auch etwas gemeinsam. Dann gehen wir ins Kino, ins Museum, jetzt in der Vorweihnachtszeit wieder auf den Weihnachtsmarkt oder einfach spazieren.
Diesen Sommer waren wir auch zwei Tage gemeinsam in Graz: B. hatte schon viel von der Stadt gehört und wollte diese gerne kennenlernen. Wir waren in Graz auf dem Schlossberg, haben ihm die Uni gezeigt, wo wir studiert haben und waren gemeinsam im Schloss Eggenberg. Bei unseren Treffen geht es aber vorallem immer darum zu erzählen, was er und was wir in der Zwischenzeit erlebt haben, was ihn beschäftigt, etc.

Einige Male hat mein Mann auch mit ihm Mathematik gelernt, aber grundsätzlich lernt B. sehr selbständig für die Schule. Deshalb sind wir mehr Familienersatz oder wichtige Ansprechpartner für ihn. Wenn er etwas Tolles erreicht hat, wie nun einen Platz im Pflichtschulabschlusskurs, dann ruft er uns an, um uns daran teilhaben zu lassen.
Aber auch wenn er traurig ist, sucht er das Gespräch mit uns.

Wir sind für ihn zu wichtigen Bezugspersonen geworden. Seine Betreuerin aus seiner Wohngemeinschaft, hat mir genau dies erst letztens in einer email geschrieben: „Ich bin froh zu wissen, dass B. in euch als Pat*innen wichtige Bezugspersonen gefunden hat. Die Beziehung zu euch ist für ihn wirklich ein großes Geschenk!“

Für unseren zehnjährigen Sohn ist B. so etwas wie ein großer Freund, zu dem er bewundernd aufschaut. Er mag ihn sehr gerne und freut sich immer, wenn er uns besuchen kommt. Wenn Sie zusammen sind, dann zeichnen sie gerne, hören Musik oder spielen etwas gemeinsam.

Allein der Gedanke, dass wir unser Patenkind trotz dieser gewachsenen persönlichen Beziehung wieder verlieren könnten, tut uns allen drei weh. Ganz davon abgesehen, dass wir immer wieder bewundernd beobachten mit welcher Energie und Erfolg er für die Schule lernt, sich darum bemüht, das österreichische Leben besser kennenzulernen und sich hier zu integrieren. Durch eine Abschiebung würden alle Bemühungen, seine und unsere, zunichte gemacht.

B.


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