E. aus Eritrea kam vor 6 ½ Jahren in unser Leben. Sie musste mit 17 Jahren allein flüchten, nachdem der Bruder (im Militärdienst) und der Vater (Verhaftung durch die Miliz) spurlos verschwanden, die Miliz die Kamelzucht des Vaters beschlagnahmte und die Häuser ihres Volkes im  Dorf angezündet hatte. Sie hat keinen Kontakt nachhause, weiß nicht, wo ihre Familie verblieben ist und stand völlig allein in der Welt.

Mit Pensionsantritt wollte ich noch etwas Gescheites im Leben machen und einem jungen Menschen bei der Integration in Wien helfen und ihm etwas Geborgenheit in der Fremde geben. Über den Verein connecting people haben wir E. bekommen und sie vom ersten Augenblick an ins Herz geschlossen. Dann kam das große Zittern, ob sie würde bleiben dürfen. Ihr Asylantrag blieb 3 Jahre liegen, wurde dann aber sofort positiv beschieden.
E. durfte zuhause nie eine Schule besuchen. Sie konnte aber amharische, arabische und lateinische Schriftzeichen lesen und schreiben. Lernen zu lernen war aber entsprechend schwierig. Wir halfen ihr beim Haupt- und Pflichtschulabschluss und beim B2 Deutschkurs.

Sie lernte schwimmen und Rad fahren, fuhr oft mit uns aufs Land und so lernten auch die Bauern, dass man sich vor Flüchtlingen nicht fürchten muss und schlossen sie genauso ins Herz. Wir schrieben hunderte Bewerbungen, lange ohne Erfolg. Immer wurde sie nach beruflicher Erfahrung gefragt, die sie nicht haben konnte – irgendwann ist es für alle „das erste Mal“. Praktisches Arbeiten lernt sie sehr schnell, denkt klug mit und ist enorm fleißig, wenn es ums Zupacken geht.
Seit einem halben Jahr arbeitet sie in einem Luxushotel als Zimmermädchen – und bekommt viele Komplimente für ihre Tüchtigkeit. Es ist ihr aber ganz wichtig, eine Ausbildung zu machen. E.s Traumberuf ist Pflegeassistentin. Sie hat aus eigenem Antrieb viel in diese Richtung gemacht. Sie sei dankbar, dass sie hier leben könne und möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben (ihre Worte!). Sie sagt auch: wenn man hier leben darf, muss man sich auch anpassen. Wenn man das nicht will, sich unter Landsleuten abkapselt und nicht Teil von Österreich werden will, dann sollte man besser gehen.

Einem Menschen bei der Integration zu helfen, war eine der besten Entscheidungen in unserem Leben. Wir möchten E. nie mehr missen, sie gehört zu uns wie eine Tochter und zu unseren Familien und Freunden! Sie hat uns viel aus einem anderen, sehr schlimmen Leben erschlossen, und uns die Integration in Österreich mit anderen Augen sehen lassen. Und sie: Sie liebe uns sehr, wir seien jetzt Mom und Dad. E. ist angekommen in Österreich, eine junge, moderne, aufgeschlossene Frau aus Afrika.

Mit ihrer liebevollen Art öffnet sie rundum Herzen. Wir können uns glücklich schätzen, dass sie in unser Leben trat – und Österreich hat eine tüchtige, bestens integrierte Einwohnerin mehr und demnächst vermutlich auch eine gesuchte Pflegeassistentin.

B.


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