Wir haben O. am 29.12.2015 kennengelernt. Er wohnte damals in der Caritas WG Ponte in der Denisgasse im 20. Bezirk. Er hat für uns Tee gekocht und erzählte, dass er sich freut, ab Januar in die Schule gehen zu dürfen.

In der folgenden Woche war O. erstmals bei uns zum Essen eingeladen - wir haben ihn seitdem fast jedes Wochenende getroffen. Wir haben mit ihm für die Schule gelernt, gemeinsam gekocht, gespielt und einiges unternommen. Ob bei Museums- und Kinobesuchen, Bowling, Ausflügen, einer Impulstanz Vorführung im Volkstheater, Punschtrinken am Adventmarkt – O. war immer mit Begeisterung dabei.
Er war für alles sehr offen und freute sich, immer Neues kennenzulernen. Wir wiederum haben versucht, eine Art Familienersatz zu sein und ihn in allen Belangen zu unterstützen.

In der Zeit unserer Patenschaft hat O. unglaublich weiterentwickelt – er spricht Deutsch auf B2-Niveau, hat seinen Pflichtschulabschluss als Externist nachgeholt, zahlreiche Kurse besucht, unter anderem Wertekurse, einen Computerkurs, einen Tanzkurs.

Im zweiten Jahr hat O. uns zunehmend als Vertrauenspersonen wahrgenommen und begonnen, uns vermehrt von seinen schrecklichen Erlebnissen in seiner Heimat und auf der Flucht zu erzählen. Er erzählte auch von seiner Familie und, dass er oft nicht wusste, wo sie sich aufhielten und wie es ihnen ging. Er konnte nie von sich aus Kontakt mit seiner Familie aufnehmen, was bis heute eine sehr große Belastung für ihn ist. Wir versuchen ihn zu trösten und ihm zu zeigen, dass wir für ihn da sind und seine Sorgen und Probleme mittragen.

Es sind bald zwei Jahre vergangen, seit wir O. begleiten und er ist uns sehr ans Herz gewachsen. Auch alle anderen Familienmitglieder und sehr viele Freunde sehen ihn regelmäßig und haben zu ihm eine Beziehung aufgebaut. Geld und Materielles haben in unserer Patenschaft nie eine Rolle gespielt. Es ist auch nicht leicht ihm etwas zu schenken – O. ist äußerst zurückhaltend, bescheiden, rücksichtsvoll, feinfühlig und stets auf unser Wohl bedacht.

O. besucht zur Zeit ein AMS Programm und sucht eine Lehrstelle als Einzelhandelskaufmann.

Zwar wurde O. im Jahr 2016 subsidiärer Schutz zuerkannt und dieser im Jahr 2017 verlängert; durch einen Verfahrensfehler muss er dennoch bald zu einer Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht, das über seinen Aufenthalt entscheiden wird. Wir haben O. als weiteres Mitglied in unser Familiengefüge aufgenommen; es wäre daher nicht nur für ihn, sondern auch für uns katastrophal, wenn er nicht in Österreich bleiben darf.

M. und C.


<< Kalender
Blumenschmuck by blumenkraft